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Zinseszins

Zinseszins einfach erklärt: So vermehrt sich Ihr Geld

Beim aktuellen Bestandsdurchschnitt von 0,72 % dauert es rund 100 Jahre, bis sich ein einmalig angelegter Betrag verdoppelt - das ist länger als ein ganzes Erwerbsleben. Beim besten am Markt verfügbaren Dauerzins von 2,60 % sind es nur noch rund 28 Jahre. Der Unterschied zeigt, wie stark der Zinseszinseffekt vom gewählten Zinssatz abhängt - und wie wenig er bei den heutigen Sparbuchsätzen tatsächlich bewegt.

Einfacher Zins gegen Zinseszins

Beim einfachen Zins wird jedes Jahr nur auf den ursprünglich eingezahlten Betrag gerechnet. 1.000 Euro bei 3 Prozent über 10 Jahre ergeben so exakt 1.300 €: Jedes Jahr kommen 30 Euro dazu, macht in Summe 300 Euro Zinsen.

Beim Zinseszins verzinst sich dagegen nicht nur das ursprüngliche Kapital, sondern auch jede bereits gutgeschriebene Zinszahlung mit. Aus denselben 1.000 Euro bei 3 Prozent über 10 Jahre werden dadurch 1.343,92 € - 343,92 € Zinsen statt 300 Euro, weil ab dem zweiten Jahr auch die bereits verdienten Zinsen mitverzinst werden. Der Betrag bleibt hier vollständig innerhalb des Sparerpauschbetrags von 1.000 Euro, sodass keine Steuer anfällt und der Unterschied allein aus dem Zinseszinseffekt stammt.

Bei kleinen Beträgen und wenigen Jahren wirkt dieser Unterschied gering. Er wächst aber mit der Zeit überproportional, weil sich die Basis, auf die der Zins angewendet wird, jedes Jahr selbst vergrößert. Das gilt hier für eine Einmalanlage - wer stattdessen laufend einzahlt, findet die passende Rechnung im Artikel zum monatlichen Sparplan .

Die 72er-Regel als Faustformel

Wie lange eine Verdopplung dauert, lässt sich ohne Taschenrechner grob abschätzen: Man teilt 72 durch den Zinssatz in Prozent und erhält die ungefähre Verdopplungszeit in Jahren. Die Formel ist eine Näherung, keine exakte Rechnung - sie basiert darauf, dass sich Kapital bei moderaten Zinssätzen näherungsweise exponentiell entwickelt und weicht bei sehr niedrigen oder sehr hohen Sätzen etwas vom tatsächlichen Wert ab.

Für die beiden realen Vergleichswerte oben ergibt sich damit: Beim Bestandsdurchschnitt von 0,72 % sind es 72 geteilt durch 0,72, also rund 100 Jahre bis zur Verdopplung - eine Zahl, die im gesamten Erwerbsleben praktisch nie erreicht wird. Beim besten Dauerzins von 2,60 % sind es 72 geteilt durch 2,60, also rund 28 Jahre - immer noch ein langer Zeitraum, aber real innerhalb einer Sparphase planbar. Bei einem illustrativen Vergleichswert von 5,00 %, wie ihn Sparbücher in weniger niedrigzinsigen Phasen boten, verkürzt sich die Verdopplungszeit auf rund 14 Jahre. An dieser Spannbreite - 100 gegenüber 14 Jahren für dieselbe Verdopplung - lässt sich ablesen, wie stark schon kleine Unterschiede beim Zinssatz über lange Zeiträume wirken.

10.000 Euro über die Zeit

Wie sich eine Einmalanlage von 10.000 Euro je nach Zinssatz und Anlagedauer entwickelt, zeigt die folgende Tabelle. Grundlage sind Abgeltungsteuer ohne Kirchensteuer und der volle Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr - gezeigt wird jeweils das Endkapital nach Steuern, nicht der unrealistische Bruttowert. Verglichen werden der aktuelle Bestandsdurchschnitt (0,72 %, Juli 2026), der beste derzeit verfügbare Dauerzins ohne Aktionsbefristung (Scalable Capital, 2,60 %) und ein illustrativer Vergleichswert von 5,00 %, wie ihn Sparbücher in weniger niedrigzinsigen Phasen geboten haben.

Zinssatz Nach 5 JahrenNach 10 JahrenNach 20 Jahren
Bestandsdurchschnitt 0,72 % 10.365 € 10.744 € 11.543 €
Bester Dauerzins 2,60 % 11.369 € 12.926 € 16.709 €
Illustrativ (Vergleich) 5,00 % 12.763 € 16.289 € 26.328 €

Auffällig ist der Abstand zwischen den ersten beiden Zeilen: Beim Bestandsdurchschnitt wächst das Kapital über 20 Jahre um 1.543 €, beim besten Dauerzins im selben Zeitraum um 6.709 € - mehr als das Vierfache, obwohl der Startbetrag identisch ist. Der Zinseszinseffekt selbst arbeitet bei beiden Sätzen gleich, aber er hat bei einem niedrigen Zinssatz schlicht wenig Substanz, mit der er arbeiten kann.

Warum der Rhythmus der Gutschrift zählt

Ob Zinsen einmal jährlich oder monatlich gutgeschrieben werden, verändert den Effekt zusätzlich, wenn auch nur geringfügig. Werden Zinsen monatlich statt jährlich gutgeschrieben, beginnen sie schon vor Jahresende, selbst wieder Zinsen zu tragen. Bei einem Nominalsatz von 2,60 % steigt der tatsächliche Jahresertrag durch monatliche statt jährliche Gutschrift von 2,60 % auf etwa 2,63 Prozent - ein Unterschied von rund 0,03 Prozentpunkten, kaum spürbar, aber real vorhanden. Scalable Capital schreibt bei Tagesgeld beispielsweise monatlich, taggenau berechnet gut, andere Anbieter nur einmal jährlich zum 31. Dezember. Über sehr lange Zeiträume summiert sich dieser kleine Unterschied auf, bleibt aber gegenüber der Wahl des Zinssatzes selbst zweitrangig.

Realitäts-Check: kein Wunder bei diesen Sätzen

Zinseszins gilt oft als eine der stärksten Kräfte beim Vermögensaufbau - das stimmt, setzt aber einen Zinssatz voraus, der über Jahrzehnte spürbar über der Inflation liegt. Bei einem Bestandsdurchschnitt von 0,72 % bleibt vom Effekt in der Praxis wenig übrig: Die 100 Jahre bis zur Verdopplung sind eine theoretische Größe, keine realistische Aussicht für ein einzelnes Sparbuch.

Das ändert nichts daran, dass der Mechanismus selbst richtig ist - Zins auf Zins wirkt immer in dieselbe Richtung. Nur die Geschwindigkeit hängt vollständig vom Zinssatz ab, und der wird bei einem klassischen Bankprodukt derzeit von der Europäischen Zentralbank und dem Wettbewerb zwischen Banken vorgegeben, nicht vom Zinseszinseffekt selbst.

Historisch lagen Sparzinsen in Deutschland deutlich höher - in den 1970er und 1980er Jahren zeitweise im zweistelligen Bereich, wo sich eine Verdopplung innerhalb weniger Jahre vollzog. Wie sich der Zins von der Nachkriegszeit bis heute entwickelt hat und woran das liegt, zeigt der Artikel zur Zinsentwicklung seit 1967 . Was Sparzinsen grundsätzlich sind und wie sie zustande kommen, erklärt der Grundlagenartikel zu Sparzinsen .

Quellen

Deutsche Bundesbank, MFI-Zinsstatistik (Bestandsdurchschnitt 0,72 %, Juli 2026); Scalable Capital, Tagesgeld (geprüft 25.09.2026). Stand: 13.08.2026.