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Kapitalbedarf

Von Zinsen leben: wie viel Kapital braucht man?

299.660 € Kapital sind nötig, um beim derzeit besten Dauerzins von 2,60 % 500 Euro im Monat ausschließlich aus Zinsen zu beziehen, ohne dass das Vermögen selbst schrumpft. Wer sich auf den Bestandsdurchschnitt aller deutschen Banken von 0,72 % verlässt, braucht für dieselbe Rente das 3,6-Fache.

Kapital für vier Zielrenten

Die folgende Rechnung geht vom Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und der Abgeltungsteuer ohne Kirchensteuer aus (26,375 Prozent auf den Ertrag oberhalb des Freibetrags). Verglichen werden zwei Zinssätze: der beste am Markt verfügbare Dauerzins ohne Aktionsbefristung (Scalable Capital, 2,60 %) und der Bestandsdurchschnitt, den alle deutschen Banken zusammen tatsächlich zahlen (0,72 %).

Zielrente pro Monat Kapital bei 2,60 % Kapital beim Bankdurchschnitt 0,72 %
500 € 299.660 € 1.082.107 €
1.000 € 613.099 € 2.213.969 €
2.000 € 1.239.976 € 4.477.693 €
3.000 € 1.866.854 € 6.741.417 €

Der Abstand bleibt über alle vier Zielrenten hinweg nahezu konstant beim 3,6-Fachen: Wer die Wahl der Bank dem Zufall überlässt statt aktiv nach dem besten Dauerzins zu suchen, braucht deutlich mehr Kapital für dieselbe monatliche Auszahlung. Eigenes Guthaben lässt sich mit dem Zinsrechner ebenso durchrechnen.

Wie die Rechnung zustande kommt

Am Beispiel der 2.000 €-Zielrente beim besten Dauerzins: 1.239.976 € Kapital bringen bei 2,60 % im Jahr 32.239,39 € Bruttozinsen. Nach Abzug des Sparerpauschbetrags von 1.000 Euro bleiben 31.239,39 € steuerpflichtig, darauf fallen 8.239,39 € Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag an. Netto bleiben 24.000,00 € übrig - genau die 24.000 € Jahresrente, die 2.000 € im Monat ergeben.

Aus dem Kapital wird dabei nichts entnommen: Nur die Zinsen fließen ab, der Grundbetrag bleibt nominal unangetastet und wirft im Folgejahr erneut denselben Ertrag ab. Das unterscheidet diese Rechnung von der Ausschöpfung des Sparerpauschbetrags im laufenden Sparen, wo der Freibetrag typischerweise nur einen Teil der Zinsen deckt.

Der Sparerpauschbetrag bleibt in allen vier Fällen bei 1.000 Euro, während die Bruttozinsen mit der Zielrente wachsen - dadurch verliert er relativ an Gewicht. Bei 500 € monatlich decken die 1.000 Euro noch rund 12,8 % der Bruttozinsen ab, bei 3.000 € monatlich nur noch etwa 2,1 %. Wer als Paar gemeinsam veranlagt ist, verdoppelt den Freibetrag auf 2.000 Euro und braucht dadurch für dieselbe Rente etwas weniger Kapital als ein Single mit demselben Ziel.

Ewige Rente statt Entnahmeplan

Die vier Kapitalbeträge rechnen den konservativsten aller Ansätze: die ewige Rente. Nur was an Zinsen anfällt, wird ausgegeben, das Kapital selbst bleibt in unbegrenzter Zukunft erhalten und ist am Ende noch vollständig da. Der Nachteil liegt auf der Hand - genau deshalb braucht diese Methode so viel Kapital.

Die Alternative ist eine Entnahmestrategie mit Kapitalverzehr: Wer bereit ist, das Vermögen über einen absehbaren Zeitraum - etwa die statistische Lebenserwartung - aufzubrauchen, kann pro Jahr einen höheren Anteil entnehmen als nur die Zinsen, weil auch ein Teil der Substanz zur Auszahlung beiträgt. Das senkt den nötigen Startbetrag spürbar, birgt aber das Risiko, bei ungünstigem Verlauf zu früh am Ende des Kapitals anzukommen. Diese Rechnung braucht andere Annahmen zu Entnahmerate und Zeithorizont, als eine reine Zinsseite liefern kann, und wird hier nicht vertieft.

Warum die Kaufkraft trotzdem sinkt

Nominal bleibt das Kapital bei der ewigen Rente konstant - real verliert es an Wert. Bei einer Inflationsrate von 2,90 % (Destatis, Juli 2026) liegt der reale Zins schon vor Steuern bei 2,60 % Nominalzins bei -0,30 %, beim Bankdurchschnitt sogar bei -2,18 %. Nach Abzug der Steuer ist die Lücke noch größer: Aus 1.239.976 € beim besten Dauerzins wird nach Steuer eine Nettorendite von 1,94 % - abzüglich Inflation bleibt ein realer Verlust von rund 0,96 % pro Jahr. Beim Bankdurchschnitt sind es nach Steuer nur 0,54 % Rendite, real also ein Kaufkraftverlust von rund 2,36 % im Jahr.

Wer von Zinsen lebt, hält also zwar das eingesetzte Kapital nominal über die Jahre konstant, kann sich davon aber jedes Jahr etwas weniger leisten. Wie sich Zinsniveau und Inflation historisch zueinander verhalten haben, zeigt die Zinsentwicklung seit 1967.

Bei größeren Summen: mehrere Banken nötig

Die gesetzliche Einlagensicherung deckt pro Bank und Kunde 100.000 Euro ab. Selbst die niedrigste Zielrente von 500 € im Monat übersteigt diese Grenze beim besten Dauerzins bereits um mehr als das Dreifache (299.660 €) - eine einzelne Bank reicht in keinem der vier Fälle. Wer von Zinsen lebt, verteilt das Kapital deshalb von vornherein auf mehrere Institute, beim Bankdurchschnitt entsprechend mehr als beim besten Dauerzins.

Quellen

Statistisches Bundesamt, Verbraucherpreisindex (Inflationsrate Juli 2026, veröffentlicht 10.09.2026); Scalable Capital, Tagesgeld; Deutsche Bundesbank, Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist. Kapitalbeträge eigene Berechnung nach Abgeltungsteuer (26,375 Prozent ohne Kirchensteuer) und Sparerpauschbetrag (1.000 Euro), ohne Kapitalverzehr. Stand: 13.08.2026.