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Sparformen im Vergleich

Kündigungsgeld: Zinsen für Spargeld mit Kündigungsfrist

1,90 % brachten Einlagen mit mehr als drei Monaten Kündigungsfrist im Juli 2026 im Schnitt. Das ist gut zweieinhalbmal so viel wie bei Einlagen mit bis zu drei Monaten Frist, zu denen das klassische Sparbuch gehört, und fast viermal so viel wie beim Tagesgeld. Der Haken liegt nicht in der Frist selbst, sondern darin, dass sie nur für Sie gilt: Den Zins kann die Bank in der Regel jederzeit ändern.

Frau am Schreibtisch vor einem Fenster mit Blick auf Wohnhäuser, sie schreibt mit einem Füller auf ein Blatt Papier
0,50 %
Täglich fällige Einlagen (Tagesgeld)
0,72 %
Kündigungsfrist bis 3 Monate
1,90 %
Kündigungsfrist über 3 Monate
2,22 %
Festgeld bis 1 Jahr, neu angelegt

Einlagen privater Haushalte, Juli 2026, volumengewichtete Durchschnitte aus der MFI-Zinsstatistik der Bundesbank. Für Einlagen mit Kündigungsfrist zählt die Bundesbank alle Verträge, die am Monatsende bestehen, also auch ältere. Die Statistik trennt nach der Länge der Frist, nicht nach Produktnamen: Ein Kündigungsgeld mit 35 Tagen Frist steht im selben Topf wie das klassische Sparbuch.

Wie die Frist funktioniert

Kündigungsgeld hat kein Ablaufdatum. Das Geld bleibt so lange auf dem Konto, bis Sie kündigen, und steht Ihnen erst nach Ablauf der vereinbarten Frist zur Verfügung. Das unterscheidet es vom Festgeld, das zu einem festen Termin endet, und vom Tagesgeld, an das Sie jederzeit herankommen. Ob Sie nur einen Teilbetrag kündigen können, regelt der jeweilige Vertrag.

Die Fristen reichen weit auseinander. Direktbanken bieten Sparkonten mit 30 Tagen, sechs Wochen oder drei Monaten an, Sparkassen führen in ihren Preisaushängen Kündigungsgeld mit 35 oder 90 Tagen und daneben Spareinlagen mit Fristen von sechs Monaten bis vier Jahren. Wer welche Frist zu welchem Satz anbietet, steht in den aktuellen Sparzinsen der Banken.

Kündigungsgeld ist kein Sparbuch

Beide verlangen eine Kündigung, rechtlich sind sie trotzdem verschieden. Spareinlage im Sinne von § 21 Abs. 4 RechKredV ist nur, was durch eine Urkunde wie das Sparbuch gekennzeichnet ist und mindestens drei Monate Kündigungsfrist hat. Ein Kündigungsgeld mit 30 oder 35 Tagen Frist kann das schon wegen der kurzen Frist nicht sein.

Das hat zwei praktische Folgen. Die 2.000 Euro, die Sie vom Sparbuch jeden Kalendermonat ohne Kündigung abheben dürfen, stammen aus den Sparbedingungen für Spareinlagen; beim Kündigungsgeld gibt es sie nur, wenn der Vertrag sie ausdrücklich vorsieht. Und für echte Spareinlagen schließt die Begründung der Verordnung aus, dass sie „bei oder kurz nach Vertragsschluß“ gekündigt werden, auch nicht vorsorglich und nicht immer wieder (BT-Drucksache 12/4876). Ob eine solche Kündigung auf Vorrat beim Kündigungsgeld erlaubt ist, steht in den Bedingungen der Bank. Fragen Sie vor dem Abschluss danach, wenn Sie mit diesem Gedanken spielen.

Gleiche Bank, anderes Konto

Am deutlichsten wird der Wert der Frist dort, wo Sparbuch und Kündigungsgeld im selben Preisaushang stehen. In diesen sieben Aushängen von Sparkassen und Landesbanken finden sich neben dem Sparbuch Konten mit eigener Kündigungsfrist:

Institut Konto mit Kündigungsfrist Zins Sparbuch Geprüft
Baden-Württembergische Bank BW ZinsGeld, 9 Monate Kündigungsfrist, 80 % der EZB-Einlagefazilität 2,000 % 0,250 % 25.09.2026
Sparkasse Landshut Kündigungsgeld, 90 Tage Frist 1,500 % 0,100 % 25.09.2026
Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg Kündigungsgeld Privat, 35 Tage Frist 1,200 % 0,250 % 25.09.2026
Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg Kündigungsgeld Fresh Invest, 35 Tage 1,000 % 0,250 % 25.09.2026
Kreissparkasse Köln S Kündigungsgeld ab 100.000 € 1,000 % 0,100 % 25.09.2026
Sparkasse Landshut Kündigungsgeld, 35 Tage Frist 1,000 % 0,100 % 25.09.2026
Förde Sparkasse Rendite-Sparen, dreimonatige Kündigungsfrist, ab 50.000 € 0,900 % 0,500 % 25.09.2026
Sparkasse Passau Kündigungsgeld 0,750 % 0,150 % 25.09.2026
Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg Spareinlagen mit 48-monatiger Kündigungsfrist 0,250 % 0,250 % 25.09.2026
Sparkasse Passau Spareinlagen mit ein-, zwei- und vierjähriger Frist 0,150 % 0,150 % 25.09.2026
Sparkasse KölnBonn Kündigungsfrist 6 Monate bis 4 Jahre 0,001 % 0,100 % 25.09.2026

Den größten Abstand hat die Sparkasse Landshut: 1,500 % für „Kündigungsgeld, 90 Tage Frist“ gegen 0,100 % auf dem Sparbuch. Auf 20.000 Euro sind das im Jahr 300,00 Euro statt 20,00 Euro, ohne die Bank zu wechseln. Umgekehrt bringt eine Frist von mehreren Monaten oder Jahren nicht automatisch mehr: In drei Fällen liegt der Zins für die lange Bindung nicht über dem Sparbuch desselben Hauses. Maßgeblich ist der Satz im Aushang, nicht die Länge der Frist.

Der Zins läuft dem Markt hinterher

Die Frist bindet Sie, den Zins bindet sie nicht. In den Bedingungen für den Sparverkehr, die Sparkassen verwenden, heißt es, eine Änderung des Zinssatzes trete „unabhängig von einer Kündigungsfrist“ mit der Änderung des Aushangs in Kraft. So zitiert sie der Bundesgerichtshof im Urteil vom 24. November 2021 (XI ZR 310/20, Rn. 4). Senkt die Bank den Satz, bekommen Sie bei 90 Tagen Frist mindestens drei Monate lang den niedrigeren Zins, auch wenn Sie sofort kündigen.

Im Durchschnitt passen Banken diese Sätze allerdings langsam an, in beide Richtungen. Die Monatswerte der Bundesbank zeigen das deutlich:

Monat EZB-Einlagesatz Frist über 3 Monate Festgeld bis 1 Jahr, neu
Juli 2023 3,50 % 1,48 % 2,94 %
Juli 2024 3,75 % 2,44 % 3,10 %
Juli 2025 2,00 % 1,97 % 1,73 %
Juli 2026 2,25 % 1,90 % 2,22 %

Der EZB-Einlagesatz stand schon im September 2023 bei 4,00 %. Seinen Höchststand von 2,44 % erreichte der Durchschnitt für Einlagen mit mehr als drei Monaten Frist erst im Juli und August 2024, und als die Notenbank bis Juni 2025 auf 2,00 % gesenkt hatte, lag er immer noch bei 2,01 %. Von April bis Oktober 2025 brachten Einlagen mit mehr als drei Monaten Frist im Schnitt sogar mehr als neu abgeschlossenes Festgeld bis zu einem Jahr. Wer in einer Phase steigender Zinsen ins Kündigungsgeld geht, wartet also länger auf die Erhöhungen. Wer schon drin ist, wenn die Zinsen fallen, profitiert davon, dass sein Satz nur langsam nachgibt.

Real bleibt derzeit trotzdem ein Minus. Im Juli 2026 lag die Inflationsrate bei 2,8 %, im September bei 3,3 % (Statistisches Bundesamt, 13.10.2026). Selbst die 1,90 % gleichen die Teuerung also nicht aus. Wie die EZB-Zinsen und die Sparzinsen seit den 1960er-Jahren zusammenhängen, zeigt die Zinsentwicklung.

Was die Frist bringt und was sie kosten kann

Auf 20.000 Euro und ein Jahr gerechnet, mit den Durchschnittssätzen vom Juli 2026:

Anlage Zins Zinsen im Jahr
Tagesgeld 0,50 % 100,00 Euro
Kündigungsfrist bis 3 Monate 0,72 % 144,00 Euro
Kündigungsfrist über 3 Monate 1,90 % 380,00 Euro
Festgeld bis 1 Jahr 2,22 % 444,00 Euro

Gegenüber dem Tagesgeld bringt die längere Frist im Schnitt 280 Euro mehr. Diesen Vorsprung kann ein einziger Engpass auffressen. Brauchen Sie unerwartet 5.000 Euro und überbrücken die 90 Tage bis zur Auszahlung mit dem Dispokredit, kostet das bei 9,32 %, dem Durchschnittssatz für Überziehungs- und revolvierende Kredite im Juli 2026 (Bundesbank, SUD186), rund 115 Euro. In mehreren Sparkassen-Aushängen steht für den Dispokredit ein Satz über 12 %, dann wird es entsprechend teurer. Eine Reserve für den Notfall gehört deshalb aufs Tagesgeld, ins Kündigungsgeld nur das Geld, dessen Verwendung Sie mindestens eine Frist im Voraus kennen.

Und Festgeld? Es lag im Juli 2026 im Schnitt über dem Kündigungsgeld und garantiert den Satz für die Laufzeit. Kündigungsgeld spielt seine Stärke aus, wenn Sie den Zeitpunkt nicht kennen, zu dem Sie das Geld brauchen, ihn aber ein paar Wochen vorher absehen können. Wer schon weiß, dass er das Geld ein Jahr lang nicht anrührt, ist mit dem Festgeld oder bei mehreren Jahren mit einem Sparbrief meist besser bedient.

Sicherung, Steuern und das Abheben vor der Zeit

Kündigungsgeld ist ein Guthaben im Sinne von § 2 Abs. 3 EinSiG und damit wie Festgeld und Spareinlagen bis 100.000 Euro pro Person und Bank gesetzlich gesichert (§ 8 EinSiG). Die Zinsen werden versteuert wie alle anderen Zinsen: Abgeltungsteuer oberhalb des Sparer-Pauschbetrags von 1.000 Euro, bei zusammen veranlagten Paaren 2.000 Euro.

Einen Anspruch darauf, vor Ablauf der Frist an das Geld zu kommen, haben Sie nicht. Lässt sich die Bank bei einer Spareinlage trotzdem darauf ein, berechnet sie Vorschusszinsen, beim Sparbuch üblicherweise auf den Betrag oberhalb der monatlichen 2.000 Euro. Beim Tagesgeld stellt sich die Frage gar nicht, wie der Vergleich von Sparbuch und Tagesgeld zeigt.

Quellen

Deutsche Bundesbank, MFI-Zinsstatistik, Einlagen privater Haushalte: Kündigungsfrist über 3 Monate (SUD106), Kündigungsfrist bis 3 Monate (SUD105), täglich fällig, vereinbarte Laufzeit bis 1 Jahr, Neugeschäft (SUD102); Überziehungs- und revolvierende Kredite an private Haushalte (SUD186); EZB-Einlagefazilität laut Notenbankzinssätzen der Bundesbank; § 21 Abs. 4 RechKredV; BT-Drucksache 12/4876 vom 06.05.1993; §§ 2 und 8 EinSiG; BGH, Urteil vom 24.11.2021, XI ZR 310/20; Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 364 vom 13.10.2026; Preisaushänge der genannten Institute, Prüfdatum je Zeile. Stand: 23.10.2026.